UKSH-Team gründet Netzwerktreffen

Nachsorge ist Vorsorge: Ex-Krebspatienten sollen sich regelmäßig austauschen

UKSH-Professor Thorsten Langer
setzt auf Netzwerktreffen ehemaliger
Krebspatienten. FOTO: HFR

St. Jürgen. Es heißt „Survivor-Netzwerktreffen“. Nach einem erfolgreichen Auftakt der Aktion geht es für ehemalige Krebserkrankte jetzt in die zweite Runde. Bei dem Treffen sollen Menschen, die in ihrer Kindheit und in der Jugend eine Krebserkrankung überstanden haben, miteinander in Kontakt kommen und sich untereinander austauschen.

Interdisziplinäre Sprechstunde
Unterstützt werden die Treffen vom Verein Lübeck-Hilfe für krebskranke Kinder. „Studien zeigen, dass der Austausch untereinander bei der Bewältigung der unterschiedlichen Herausforderungen ungemein hilfreich sein, und bei der Prävention und Behandlung von Folgen einer Krebsbehandlung eine wichtige Rolle spielen kann“, sagt Professor Dr. Thorsten Langer vom UKSH, Campus Lübeck. Er leitet dort die Arbeitsgruppe „Nachsorge ist Vorsorge“ und nimmt dabei neben dem medizinischen Aspekt auch die psychosoziale Komponente in den Fokus – das Netzwerktreffen ist ein Baustein davon. „Die Idee dafür entstand aus dem Bedarf der Patienten, die in die Nachsorgesprechstunde kommen“, sagt Stefanie Braun, psychosoziale Mitarbeiterin im UKSH. „Der Bedarf, sich mit Gleichbetroffenen auszutauschen, ist bei vielen sehr hoch“, so die Diplompädagogin, die schließlich die Idee für die Treffen entwickelt und sie organisiert hat. Das psychosoziale Angebot sei Teil der Nachsorge. Braun berät die Patienten im Rahmen der Nachsorgesprechstunde hinsichtlich psychosozialer Herausforderungen. Seit fünf Jahren wird am Campus Lübeck die interdisziplinäre Nachsorge-Sprechstunde in Kooperation zwischen der Medizinischen Klinik 1 und der Kinderklinik angeboten, in der Patienten empfohlene Vorsorgeuntersuchungen durchführen lassen können.

Psychosoziale Komponente
„Das Treffen ist eine tolle Plattform, um in intimer Atmosphäre mit Menschen mit ähnlicher Biografie ins Gespräch zu kommen und über Erfahrungen und Herausforderungen zu sprechen“, so Langer. Und darum geht es: „Nachsorge ist Vorsorge“, so lautet nicht nur der Titel der Arbeitsgruppe von Professor Langer und seinem UKSH-Team. Denn: Die Nachsorge sei gleichzeitig auch die Vorsorge, hätten die Betroffenen doch mit einem erhöhten Erkrankungsrisiko zu rechnen, so der Experte. Langer: „Mit einer regelmäßigen und gezielten Nachsorge können mögliche neue Folge- und Späterkrankungen frühzeitig erkannt und behandelt werden.“ Neben der rein medizinischen Nachsorge rücke dabei auch die psychosoziale Komponente verstärkt in den Fokus. „Auch Jahre bis Jahrzehnte nach Abschluss der Krebsbehandlung im Kindesalter können Spätfolgen auftreten“, weiß Langer. Das Problem: „Viele Patienten sind zu diesem Zeitpunkt bereits erwachsen und haben die reguläre Rezidivnachsorge abgeschlossen“, sagt der Professor. Spätfolgen könnten im Frühstadium „oft gut behandelt“ werden, eine frühe Diagnose und Behandlung dieser Erkrankungen sei prognostisch entscheidend. „Heutzutage werden regelmäßige risikoadaptierte Untersuchungen empfohlen, die auch bei asymptomatischen Patienten lebenslang erfolgen sollten“, erklärt der Mediziner.

Mit freundlicher Genehmigung der „Lübecker Nachrichten

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